Warum der Winter mehr kostet als die Arbeit
Ein Traktor verschleißt im Winter nicht durch die Arbeit, sondern durch Stillstand und Kälte. Ein gerissener Motorblock, eine leere Batterie, ein verstopfter Kraftstofffilter am ersten kalten Morgen oder eine Kabine, die nach Maus riecht: Das alles sind Schäden, die sich mit einem Nachmittag Vorbereitung vermeiden lassen. Und sie wirken sich auf den Wert aus. Ein Käufer sieht den Unterschied zwischen einem Traktor, der drinnen stand und gepflegt wurde, und einem, der den Winter hinter der Scheune verbracht hat.
Moderne Traktoren machen es nicht einfacher. Gut die Hälfte der Traktoren in den Inseraten, die wir verfolgen, ist Baujahr 2015 oder jünger, und viele davon haben Common-Rail, AdBlue, einen Partikelfilter und reichlich Elektronik an Bord. Das verlangt etwas mehr Aufmerksamkeit als ein alter Fendt Farmer. Hier zehn Schritte, in der Reihenfolge, in der Sie sie am praktischsten abarbeiten.
Flüssigkeiten: Kühlmittel, Diesel und AdBlue
1. Messen Sie den Frostschutz des Kühlmittels. Nicht schätzen, sondern messen, mit einem Frostschutzprüfer oder einem Refraktometer. Für mitteleuropäische Winter ist ein Schutz bis etwa minus 25 bis minus 30 Grad eine sichere Marge; in rauen Lagen darf es mehr sein. Wurde das System einmal mit Wasser nachgefüllt, ist der Schutz oft geringer, als Sie denken. Füllen Sie mit derselben Kühlmittelsorte nach, die bereits drin ist; verschiedene Sorten gemischt können ausflocken.
2. Bereiten Sie den Diesel vor. Sommerdiesel wird bei Frost trüb, weil Paraffin auskristallisiert, und das verstopft den Kraftstofffilter. An der Tankstelle bekommen Sie im Winter Diesel, der das besser verträgt, aber wer aus einem eigenen Tank tankt, der im Sommer befüllt wurde, hat noch immer Sommerdiesel. Fragen Sie Ihren Lieferanten, was Sie haben und ob ein Zusatz sinnvoll ist. Tanken Sie den Traktor voll, bevor er ins Winterlager geht, damit wenig Luft und damit wenig Kondenswasser in den Tank kommt, und lassen Sie den Wasserabscheider ab.
3. Denken Sie an das AdBlue. AdBlue gefriert bei etwa minus 11 Grad. Das ist kein Drama: Die Qualität bleibt nach dem Auftauen gleich, und Traktoren mit SCR haben eine Heizung in Tank und Leitungen. Geben Sie niemals Frostschutz oder andere Zusätze hinein. Kanister lagern Sie frostfrei und aus der Sonne; Wärme ist für AdBlue auf Dauer ein größerer Feind als Kälte.
Batterie, Elektrik und Öl
4. Kümmern Sie sich um die Batterie. Eine Batterie liefert bei Frost spürbar weniger, und eine halb leere Batterie kann einfrieren. Laden Sie sie voll und hängen Sie sie an ein Erhaltungsladegerät, wenn der Traktor wochenlang steht. Geht das nicht, klemmen Sie den Minuspol ab. Reinigen Sie die Pole und fetten Sie sie ein. Bei Traktoren mit viel Elektronik entlädt sich die Batterie auch im Stand langsam, weil Steuergeräte weiter Strom ziehen. Ein solcher Traktor kann schon nach einigen Wochen Stillstand schlecht anspringen, auch wenn die Batterie selbst noch gut ist.
5. Prüfen Sie Beleuchtung und Heizung. Im Winter fahren Sie öfter im Dunkeln, und beim Schneeräumen oder Mistfahren ist die Kabine die halbe Arbeit. Kontrollieren Sie Lampen, Rundumleuchte, Scheibenwischer, Gebläse und die Vorglüh- oder Flammstartanlage. Ein Anlasser, der schon im Herbst träge dreht, tut das im Januar erst recht.
6. Wechseln Sie das Öl, wenn es fast fällig ist. Gebrauchtes Motoröl enthält Säuren und Feuchtigkeit aus der Verbrennung, und die richten über einige Monate Stillstand mehr Schaden an als während der Arbeit. Steht die Wartung in den nächsten paar hundert Stunden an, erledigen Sie sie jetzt. Wie die Wartungen aufeinanderfolgen, lesen Sie in unserem Beitrag zum Wartungsplan im Ratgeber.
Hydraulik, Reifen und Schmierstellen
7. Entlasten Sie die Hydraulik. Lassen Sie Hubwerk, Frontlader und andere hydraulische Geräte ab, sodass die Zylinder möglichst weit eingefahren sind. Blanke Kolbenstangen, die draußen stehen, rosten, und eine Roststelle zerstört später eine Dichtung. Fetten Sie Stangen ein, die trotzdem herausstehen, und setzen Sie Kappen auf die Kupplungen.
8. Bringen Sie die Reifen auf Druck. Bei langem Stillstand kann ein Reifen eine Standplatte bekommen, vor allem bei niedrigem Druck und kaltem Boden. Pumpen Sie die Reifen auf den vorgeschriebenen Druck, bewegen Sie den Traktor gelegentlich einen Meter oder bocken Sie ihn auf, wenn er Monate steht. Achten Sie dabei auf Risse in den Flanken.
9. Schmieren Sie alles durch und reinigen Sie den Traktor. Nach einer Saison sitzen Mist, Sand und manchmal Streusalz auf und unter dem Traktor. Das hält Feuchtigkeit fest und greift Lack und Metall an. Waschen Sie den Traktor, aber halten Sie den Hochdruckreiniger von Lagern, Dichtungen und elektrischen Steckern fern, und lassen Sie ihn gut trocknen. Schmieren Sie danach alle Schmierstellen ab: Das neue Fett drückt das Wasser heraus.
Das Winterlager selbst
10. Halten Sie Mäuse und Feuchtigkeit fern. Eine trockene, belüftete Halle ist ideal. Mäuse suchen im Winter Wärme und nisten gern im Luftfiltergehäuse, hinter Verkleidungen und in der Kabine, und sie nagen an Kabeln. Stellen Sie Fallen auf, decken Sie den Luftansaug mit einem Tuch oder Sack ab und entfernen Sie Futter, Saatgut und Getreide aus der Kabine. Wer den Traktor zwischendurch startet, sollte ihn richtig warm laufen lassen: Kurz starten und wieder abstellen erzeugt gerade Kondenswasser in Motor und Auspuff. Lassen Sie dabei die Klimaanlage einige Minuten mitlaufen, damit die Dichtungen geschmeidig bleiben.
Wer das alles erledigt, beginnt das Frühjahr mit einem Traktor, der anspringt, und einer Kabine, die frisch riecht. Das hilft auch beim Verkauf. Ein Käufer, der im Frühjahr zur Besichtigung kommt, sieht an einem gepflegten Traktor, dass wohl auch die übrige Wartung stimmt. Möchten Sie wissen, was Ihr Traktor wert ist, bevor Sie ihn anbieten, ermitteln Sie den Wert anhand vergleichbarer Inserate, oder lassen Sie ein Wertgutachten erstellen, das den Zustand des Traktors festhält.