Der Markt für gebrauchte Traktoren zerfällt in zwei Hälften. Maschinen ab zehn Jahren werden auf den Handelsplattformen zunehmend niedriger angeboten, während Schlepper ab Baujahr 2020 ihren Preis halten. Das zeigt die monatliche Preiserhebung, die technikboerse.com bereitstellt und die agrarheute am 27. August 2026 veröffentlicht hat. Die Redaktion erhält zur Monatsmitte die durchschnittlichen Angebotspreise nach Baujahr und Leistungsklasse und markiert Bewegungen von mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vormonat.
Wo die Preise nachgeben
Die Augusterhebung zeigt Rückgänge vor allem bei älteren Maschinen in den niedrigen und den hohen Leistungsklassen. Das Mittelfeld zwischen 100 und 150 PS bewegt sich kaum. Auffällig sind zwei Jahrgänge, die sich gegen den Trend stemmten: Die Baujahre 2008/2009 und 2010/2011 hielten ihr Niveau, obwohl die zweite Gruppe einen Monat zuvor noch der größte Verlierer war. In der Julierhebung der Fachzeitschrift Agrartechnik vom 17. Juli 2026 gaben die Baujahre 2010 und 2011 noch über die gesamte Breite von 75 bis 200 PS nach.
Diese Sprunghaftigkeit ist typisch für einen dünnen Markt. Wenn pro Baujahr und Leistungsklasse nur einige Dutzend Maschinen inseriert sind, drückt eine einzige Partie aus einer großen Inzahlungnahme den Durchschnittspreis bereits um mehrere Prozent. Wer einen Inseratspreis als Bewertung liest, betrachtet also Rauschen. Brauchbar ist das Muster über mehrere Monate, nicht die einzelne Monatszahl.
Neuzulassungen bleiben auf Tiefstand
Hinter den Gebrauchtpreisen steht ein Neumaschinenmarkt, der seit zwei Jahren schwächelt. In Deutschland wurden 2025 insgesamt 25.742 neue Traktoren zugelassen, 12,3 Prozent weniger als im Vorjahr und der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Zwischen 2020 und 2024 lag das Niveau noch bei rund 30.000 Einheiten jährlich, mit 2021 als Spitzenjahr bei 34.472. 2026 stabilisiert sich das Bild eher, als dass es sich erholt: Im April kamen 2.681 neue Schlepper auf die Straße, exakt 25 Maschinen mehr als im gleichen Monat 2025. Fendt hielt dabei einen Marktanteil von 28,8 Prozent.
Die Niederlande folgen derselben Linie in kleinerem Maßstab. Nach Angaben von Nieuwe Oogst wurden dort 2025 genau 2.205 neue Traktoren mit mehr als 45 Kilowatt Motorleistung zugelassen. Hinzu kamen 2.014 importierte Maschinen, womit der Gesamtmarkt bei 4.219 Einheiten lag. Nur 2022 (2.507) und 2020 (2.581) kamen in den vergangenen fünfzehn Jahren an ein derart schwaches Jahr heran. Fendt führte die Neuzulassungen mit 494 Stück (22,4 Prozent) an, vor New Holland mit 427 (19,4 Prozent) und John Deere mit 331 (15 Prozent). Inklusive Import steigt der Fendt-Anteil auf 30 Prozent.
Dass der Import fast so groß ist wie die Neuzulassung, sagt einiges über die Preisbildung. Der Gebrauchtmarkt ist grenzüberschreitend: Ein erheblicher Teil des Angebots stammt aus Deutschland und Frankreich, und deutsche Preisbewegungen schlagen mit einigen Monaten Verzögerung in den Nachbarländern durch.
Eine Steuerregel, die das Angebot verschiebt
Zum 1. Juli 2026 ist eine jahrzehntealte Regelung entfallen. Umsatzsteuerlich pauschalierende Land- und Forstwirte mussten beim Verkauf eines gebrauchten Traktors bis dahin 7,8 Prozent ausweisen und durften diesen Betrag im Betrieb behalten. Seither gilt der Regelsteuersatz von 19 Prozent, der an das Finanzamt abzuführen ist. Hintergrund ist ein Urteil des Bundesfinanzhofs vom August 2023: Gebrauchtmaschinen sind keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse im Sinne der EU-Mehrwertsteuersystemrichtlinie. Das Bundesfinanzministerium bestätigte diese Linie im November 2025 gegenüber den Landesfinanzbehörden.
Für den verkaufenden Betrieb bedeutet das gut elf Prozentpunkte weniger Nettoerlös bei identischer Maschine. Wer verkaufen wollte und es einrichten konnte, tat es im ersten Halbjahr. Das erklärt mit, warum das Angebot älterer Traktoren in diesem Sommer reichlich ist und die Angebotspreise sinken. Kurzfristig ist das für Käufer günstig, es handelt sich aber um eine Angebotsspitze und nicht um einen strukturellen Preisverfall.
Die Hersteller sehen die Talsohle
Der größte Hersteller blickt vorsichtig nach vorn. John Deere erzielte im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 12,61 Milliarden Dollar, fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor, bei einem Nettogewinn von 1,38 Milliarden Dollar. Es war der erste Gewinnanstieg im Jahresvergleich seit rund drei Jahren. Die Zahlen waren allerdings ungleich verteilt: Die Sparte Production & Precision Ag mit den schweren Schleppern und Erntemaschinen verlor sechs Prozent, während Small Ag & Turf zwölf Prozent und die Bausparte achtzehn Prozent zulegten. Deere hob die Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf 4,75 bis 5 Milliarden Dollar an und bezeichnete 2026 als Talsohle des Agrarzyklus, mit einer maßvollen Erholung für 2027 statt eines steilen Aufschwungs.
Für den Restwert ist das ein doppeltes Signal. Bleiben die Neuzulassungen niedrig, kommen wenige junge Inzahlungnahmen nach und fünf Jahre alte Traktoren halten ihren Preis. Zieht der Markt 2027 an, rollt genau diese Welle an, und sie drückt das Segment darunter weiter.
Was das für Verkauf und Kauf heißt
- Wer einen Traktor Baujahr 2012 oder älter verkauft, sollte nicht mit den Angebotspreisen des Vorjahres rechnen. Gerade hier stehen Inserate am längsten.
- Maschinen zwischen 100 und 150 PS bewegen sich am wenigsten und lassen sich am verlässlichsten handeln.
- Betriebsstunden, Wartungshistorie und Ausstattung wie Fronthydraulik, GPS und Klimaanlage wiegen in einem reichlichen Markt schwerer als die Marke allein.
- Vergleichen Sie nicht ein Inserat, sondern eine Reihe. Die Wertermittlung von Traktorpreis zeigt, was vergleichbare Maschinen tatsächlich erzielen, und in der Modellübersicht stehen die Preisverläufe je Typ.
- Beim Kauf vom Betrieb lohnt die Frage nach dem Umsatzsteuerstatus des Verkäufers. Seit dem 1. Juli 2026 fällt derselbe Rechnungsbetrag anders aus.
Der rote Faden: Der Gebrauchtmarkt bewegt sich nicht mehr als ein Block. Das Alter erklärt in diesem Jahr mehr Preisverlust als Marke oder Leistung. Die nächste Erhebung von technikboerse.com zur Septembermitte muss zeigen, ob die Erholung der Baujahre 2008 bis 2011 ein Ausreißer war oder der Beginn einer Bodenbildung.