Claas streicht die vertraute 500er-Bezeichnung aus dem Herzstück seines Traktorenprogramms. Die Baureihe Arion 500 weicht dem Arion 5: drei Vierzylinder von 145 bis 180 PS, ausschließlich mit stufenlosem Cmatic-Getriebe. Der Hersteller stellte die Reihe Ende August 2026 vor. Öffentlich zu sehen sind die Schlepper zum ersten Mal auf der Innov-Agri im französischen Ondes, am 9. und 10. September.
Damit zieht Claas die Nomenklatur durch, die zuvor schon beim Xerion, beim Axion und beim Arion 6 eingeführt wurde. Die dreistellige Typenzahl entfällt und wird durch eine Baureihenziffer mit dezimaler Modellkennung ersetzt: Arion 5.140, 5.160 und 5.180.
Drei Modelle, ein Getriebe
Die drei Neulinge leisten 106, 121 und 132 kW, also 145, 165 und 180 PS. Unter der Haube arbeitet in allen Fällen derselbe 4,5-Liter-Vierzylinder von DPS, der Motorensparte von John Deere. Das maximale Drehmoment steigt von 619 Nm im 5.140 über 697 Nm im 5.160 auf 730 Nm im 5.180, jeweils bei 1.500 Umdrehungen. LandbouwMechanisatie berichtete am 28. August, dass das stärkste Modell 50 km/h bereits bei 1.490 Motorumdrehungen erreicht, also deutlich unterhalb der Nenndrehzahl.
Der gravierendste Eingriff steckt nicht im Motor, sondern im Antriebsstrang. Den Arion 500 gab es wahlweise mit dem Lastschaltgetriebe Hexashift oder mit dem stufenlosen Cmatic. Beim Arion 5 fällt diese Wahl weg: Alle drei Modelle bekommen das leistungsverzweigte CVT aus eigener Fertigung. Farmers Weekly bestätigte das am 26. August in seiner Beschreibung der Baureihe.
Was der Fahrer davon merkt
An das neue Getriebe knüpft Claas eine Funktion, die der Hersteller Auto Load Adaptation nennt. Das System lernt das Arbeitsmuster der Kombination und stellt sich auf Lastspitzen ein, sobald der Traktor in die Arbeit einfährt: Die Drehzahl steigt und die Übersetzung wird angepasst, bevor die Last tatsächlich anliegt. Beim Pflügen, beim Säen und am Vorgewende soll das Drehzahleinbrüche verhindern.
Die Serienausstattung fällt großzügiger aus als beim Vorgänger. Dazu gehören unter anderem:
- vier doppeltwirkende Steuergeräte im Heck;
- eine Load-Sensing-Pumpe mit 150 l/min;
- das Farbterminal Cebis;
- eine für GPS vorbereitete Lenkung;
- ein LED-Paket mit zwanzig Arbeitsscheinwerfern.
Gegen Aufpreis gibt es einen semiaktiven Sitz mit Massagefunktion sowie ein Multimediadisplay mit Apple CarPlay und Android Auto. Das Gewicht liegt zwischen 7,3 Tonnen beim 5.140 und 7,7 Tonnen beim 5.180. Beim Topmodell sind das 42,8 Kilo pro PS, ein Verhältnis, das eher auf Saatbettbereitung und Transport hindeutet als auf schwere Zugarbeit in der Furche.
Preise noch ohne deutsche Liste
Für den deutschen Markt hat Claas bislang keine Listenpreise genannt. In Großbritannien stehen die Basispreise bei 176.000 Pfund für den 5.140, 185.000 Pfund für den 5.160 und 198.000 Pfund für den 5.180. Das sind nackte Listenpreise ohne die Optionen, die in der Praxis fast immer mitbestellt werden; zudem weichen britische Ausstattungsniveaus und Steuerbehandlung vom deutschen Markt ab. Als Orientierung für Verhandlungen taugen die Zahlen, als Rechengrundlage nicht.
Folgen für den Gebrauchtmarkt
Für Käufer und Verkäufer hat der Namenswechsel zwei praktische Seiten. Die erste ist banal, aber hartnäckig: die Suche. Ein Arion 530 und ein Arion 5.140 liegen in derselben Leistungsklasse, tauchen in Börsen und Bewertungssystemen aber unter verschiedenen Suchbegriffen auf. Wer diese Klasse beobachtet, muss vorerst beide Reihen im Blick behalten. Auf der Claas-Übersicht von traktorpreis.de stehen die bestehenden Modellreihen nebeneinander, was den Vergleich auf gleicher Basis erleichtert.
Die zweite Seite wiegt schwerer. Mit dem Aus für das Lastschaltgetriebe schließt Claas einen Zulauf, von dem der Gebrauchtmarkt in dieser Klasse lebt. Ein Arion 500 mit Hexashift war jahrelang der günstigere Einstieg in dieses Segment: einfacher, billiger im Unterhalt und attraktiv für Lohnunternehmer und Milchviehbetriebe, die kein stufenloses Getriebe brauchten. Diese Maschinen bleiben im Umlauf, neue kommen aber nicht mehr hinzu. Mittelfristig verknappt das das Angebot an gebrauchten Lastschalt-Schleppern zwischen 145 und 180 PS, was den Restwert gepflegter Exemplare eher stützt als drückt.
Gleichzeitig verschiebt sich das Risiko. Stufenlose Getriebe sind teurer in der Instandsetzung, und die Reparaturkosten fallen bei älteren Maschinen stärker ins Gewicht als bei einem Lastschaltgetriebe. Beim Kauf eines gebrauchten Cmatic lohnt es sich, die Servicehistorie und die Betriebsstunden des Getriebes gesondert zu prüfen. Eine Wertermittlung, die diesen Punkt berücksichtigt, liefert ein realistischeres Bild als ein Vergleich allein nach Baujahr und PS-Zahl.
Markt erholt sich nur zäh
Claas bringt die Baureihe in einen Markt, der sich noch aufrappelt. Das Geschäftsklima-Barometer des Branchenverbands CEMA stand am 17. August 2026 bei minus 14 Punkten, nach minus 19 einen Monat zuvor. Die Verbesserung speist sich vor allem aus den Erwartungen für das kommende Halbjahr; das laufende Geschäft bleibt schwach. Skandinavien, Großbritannien und Irland zeigen sich am zuversichtlichsten, Polen und Frankreich am pessimistischsten.
In Deutschland wurden 2025 laut VDMA 25.711 Traktoren neu zugelassen, ein Minus von 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie top agrar berichtete. Der Einbruch verteilte sich ungleich: Bis 50 PS ging es um 16,5 Prozent auf 6.255 Schlepper nach unten, zwischen 51 und 100 PS sogar um 19,2 Prozent auf 4.566 Einheiten. Die Klasse von 101 bis 150 PS hielt sich mit minus 4,6 Prozent auf 4.062 Traktoren am besten. Genau an deren oberem Rand setzt der Arion 5 an. Marktführer blieb Fendt mit 6.326 Neuzulassungen.
Ob die neue Baureihe daran etwas ändert, wird sich erst in den Zulassungszahlen des kommenden Jahres zeigen. Der erste Praxistest steht in Ondes an.