Der Gebrauchtmarkt für Traktoren schrumpft 2026, aber er schrumpft nicht überall gleich stark. Wer die Zulassungszahlen nach Baujahr sortiert, sieht einen Markt, der auseinanderläuft: Maschinen bis drei Jahre finden zügig einen neuen Besitzer, während Traktoren aus der Mitte der Flotte stehen bleiben. Dieser Unterschied sagt mehr über die Preisbildung im kommenden Jahr aus als die Gesamtzahl.
Die klarsten Zahlen kommen aus Österreich. Dort wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 9.892 gebrauchte Traktoren neu zugelassen, 2.080 Fahrzeuge oder 17,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Das geht aus der Halbjahresauswertung hervor, die Landwirt.com am 22. Juli veröffentlicht hat. Der Rückgang beschleunigte sich im Jahresverlauf: Das erste Quartal lag mit 4.855 Zulassungen noch 8,1 Prozent unter dem Vorjahr, im Juni wurden mit 1.568 Maschinen fast 45 Prozent weniger registriert als im gleichen Monat 2025.
Die Bruchlinie verläuft beim Baujahr
Hinter dieser Gesamtzahl steckt eine deutliche Trennung. Knapp die Hälfte aller Zulassungen, 4.678 Stück oder 47,3 Prozent, entfiel auf Traktoren älter als 30 Jahre. Das sind überwiegend Oldtimer und Sammlerfahrzeuge, und genau dort fiel der Einbruch am heftigsten aus: minus 23,1 Prozent. Beschränkt man die Auswertung auf Maschinen bis 20 Jahre, bleiben 3.611 Zulassungen gegenüber 3.940 im Vorjahr. Ein Minus von 8,4 Prozent, etwa die Hälfte des Rückgangs im Gesamtmarkt.
Innerhalb dieser Gruppe geht die Schere weiter auf. Traktoren bis drei Jahre waren mit 680 Zulassungen das einzige Segment mit Wachstum, plus 5,4 Prozent. Die vier bis zehn Jahre alten Maschinen hielten sich mit 1.131 Stück weitgehend, minus 5,2 Prozent. Getroffen hat es die Mitte: Bei den elf bis 20 Jahre alten Traktoren sank das Volumen um 14,4 Prozent auf 1.800 Stück.
Auch nach Leistung ist das Bild ungleich. Die Klasse von 50 bis 150 PS bleibt mit 3.049 Zulassungen der klare Schwerpunkt und deckt über 84 Prozent aller jüngeren Gebrauchten ab, gab aber 8,7 Prozent ab. Maschinen über 150 PS hielten sich mit 382 Zulassungen besser, minus 2,8 Prozent. Unter 50 PS wurden 180 Traktoren registriert, 13,5 Prozent weniger.
Warum die jüngsten Gebrauchten knapp bleiben
Dass sich die jüngsten Gebrauchten halten, ist kein Zufall, sondern das Spiegelbild eines Neugeschäfts, das seit drei Jahren stockt. In Deutschland registrierte der VDMA für das Gesamtjahr 2025 insgesamt 25.711 neue Traktoren, 12,2 Prozent weniger als im Jahr davor. Top Agrar stellte diese Zahlen dem französischen Markt gegenüber, wo der Branchenverband Axema für 2025 auf 19.561 neu zugelassene Traktoren kam: 18,5 Prozent unter 2024 und 21 Prozent unter dem Fünfjahresmittel, der niedrigste Wert seit zehn Jahren.
Der stärkste Rückgang traf in Deutschland genau jene Klassen, die später den Gebrauchtmarkt füllen. Das Segment 51 bis 100 PS sank um 19,2 Prozent auf 4.566 Maschinen, die Klasse bis 50 PS um 16,5 Prozent auf 6.255 Schlepper. Über 150 PS blieb das Minus mit 9,6 Prozent begrenzt, und die Klasse 101 bis 150 PS hielt sich mit minus 4,6 Prozent am besten.
2026 stabilisiert sich der deutsche Markt vorsichtig, von Erholung kann aber keine Rede sein. Im April wurden 2.681 neue Traktoren zugelassen, 25 mehr als im April 2025, aber 8,9 Prozent weniger als im März, wie Agrarheute auf Basis der VDMA-Zahlen festhielt. Fendt blieb mit 773 Maschinen und 28,8 Prozent Marktanteil unangefochten die Nummer eins, vor John Deere (453) und Claas (250). Im Mai sank der Zähler auf 1.997 Zulassungen, 14 Prozent unter Mai 2025; der Juni schloss mit 2.278 Stück.
Zwei bis vier Jahre schwaches Neugeschäft bedeuten, dass der Zulauf junger Inzahlungnahmen strukturell kleiner ausfällt. Wer 2027 einen Traktor mit 1.500 Betriebsstunden und Restgarantie sucht, greift auf Baujahre zurück, die schlicht weniger Maschinen hervorgebracht haben. Dieser Knappheitseffekt zeigt sich bereits in den Zulassungszahlen, und er ist der wichtigste Grund, bei der Bewertung junger Maschinen nicht ungeprüft die Abschreibungskurve von vor fünf Jahren anzusetzen.
Niederlande: knapp über dem Boden, Kompakttraktoren ziehen an
Das niederländische Neugeschäft folgt demselben Muster. Bis einschließlich April 2026 verkauften die Händler nach Angaben des Branchenverbands Fedecom 664 Traktoren, 21 mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Nur: Abgesehen von 2025 war kein jüngeres Jahr so mager. 2024 waren es von Januar bis April 915 Stück, 2023 waren es 834 und 2022 noch 686. Der April selbst war mit 181 verkauften Traktoren gegenüber 206 im Vorjahr der schwächste April mindestens seit 2006.
Ein Segment läuft dagegen kräftig. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in den Niederlanden 485 neue Kompakttraktoren verkauft, gegenüber 345 im ersten Halbjahr 2025 und 279 im gleichen Zeitraum 2024. Die Markenaufteilung für das laufende Jahr gibt Fedecom erst nach zwölf Monaten frei, doch die Zahlen für 2025 zeigen, dass vor allem die japanischen Importeure profitieren: Iseki verkaufte damals 227 Kompakttraktoren, Kubota 45. Kioti ging von 55 im ersten Halbjahr 2023 auf 31 im gleichen Zeitraum 2025 zurück.
Für die Wertermittlung ist das relevant, weil die Kompaktklasse größtenteils außerhalb der klassischen Landwirtschaftsflotte läuft. Kommunen, Garten- und Landschaftsbau, Reitanlagen und Baumschulen kaufen diese Maschinen und ersetzen sie in anderen Rhythmen als Ackerbaubetriebe. Ein wachsendes Neugeschäft in diesem Segment bedeutet in einigen Jahren ein größeres Gebrauchtangebot von 25 bis 50 PS, also genau die Klasse, die auf dem Gebrauchtmarkt derzeit um 13,5 Prozent zurückging.
Was das für die Bewertung bedeutet
Für alle, die eine Maschine bewerten oder in Zahlung geben müssen, läuft es auf drei Punkte hinaus.
- Das Baujahr wiegt schwerer als sonst. Der Abstand zwischen einem acht und einem 14 Jahre alten Traktor ist in diesem Jahr größer, als der Betriebsstundenzähler allein rechtfertigt.
- Die Mitte braucht Geduld. Elf bis 20 Jahre alte Maschinen von 50 bis 150 PS stellen den größten Teil des Angebots und gaben am stärksten nach. Rechnen Sie mit längeren Standzeiten und mehr Verhandlungsspielraum für den Käufer.
- Markenunterschiede sind real. In der österreichischen Statistik der Gebrauchten bis 20 Jahre stand Steyr mit 622 Zulassungen weiterhin an der Spitze, verlor aber 11,9 Prozent, während Fendt mit 541 Stück nur 3,6 Prozent einbüßte. New Holland folgte mit 455 und John Deere mit 406.
Das Bild für den Rest des Jahres 2026 ist also nicht das eines einbrechenden Marktes, sondern das eines Marktes, der wählerischer wird. Die Nachfrage verlagert sich zu jung, zu klein und zu Marken mit dichtem Händlernetz. Wer seinen Angebotspreis am Durchschnitt des Gesamtmarktes ausrichtet, rechnet sich im einen Segment arm und im anderen reich.