Der Verkauf neuer Traktoren kommt in Deutschland und den Niederlanden auch in diesem Jahr nicht aus dem Tal. Im Juli 2026 wurden hierzulande genau 2.277 neue Traktoren zugelassen, praktisch gleich viele wie im Juni (2.278). In den Niederlanden standen nach Zahlen der Zulassungsbehörde RDW und des Branchenverbands Fedecom in den ersten vier Monaten 664 neue Traktoren in den Büchern: 21 mehr als im Vorjahreszeitraum, aber weiterhin deutlich unter dem Niveau, das die Branche vor einigen Jahren gewohnt war.
Deutschland hat den Tiefpunkt 2025 markiert
Der deutsche Wendepunkt liegt im vergangenen Jahr. Über das gesamte Jahr 2025 wurden 25.711 neue Traktoren zugelassen, 12,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie top agrar im Februar vorrechnete. Der Einbruch verteilte sich alles andere als gleichmäßig. Die leichteren Klassen traf es am härtesten: bis 50 PS blieben 6.255 Einheiten (-16,5 Prozent), in der Klasse 51 bis 100 PS 4.566 Einheiten (-19,2 Prozent). Oberhalb von 150 PS hielt sich der Markt mit 11.862 Zulassungen (-9,6 Prozent) vergleichsweise gut, und das Segment 101 bis 150 PS kam mit 4.062 Maschinen (-4,6 Prozent) dem Vorjahr am nächsten.
Dieses Muster ist aufschlussreich. Die stärkeren Leistungsklassen kaufen Ackerbaubetriebe und Lohnunternehmer, die ihren Maschinenpark im Auftragsgeschäft am Laufen halten müssen und den Ersatz nicht beliebig aufschieben können. Die leichten Klassen hängen stärker an Gemischtbetrieben, Grünlandhaltern und privaten Käufern – und genau dort wird eine Anschaffung als Erstes gestrichen, sobald die Liquidität knapp wird.
Von einer klaren Erholung ist 2026 bislang nichts zu sehen. Die Monatszahlen des VDMA Landtechnik schwanken erheblich: Januar 1.626 Stück, März 2.944, April 2.681. Damit lag der April 0,9 Prozent über dem Vorjahresmonat, doch der Mai fiel mit 1.997 Zulassungen wieder 14,0 Prozent zurück. Im Juni summierten sich die Zulassungen auf 2.278 Maschinen, im Juli auf 2.277. Von Monat zu Monat ist das Bild sprunghaft; unterm Strich bewegt sich der deutsche Markt seitwärts auf niedrigem Niveau.
Niederlande: minimal vorwärts, historisch zurück
Jenseits der Grenze war 2025 ausgesprochen schwach. Dort wurden 2.205 neue Traktoren mit mehr als 45 Kilowatt zugelassen – der niedrigste Wert seit über fünfzehn Jahren. Nur 2022 (2.507) und 2020 (2.581) kamen annähernd heran; in den Jahren dazwischen lag das Niveau strukturell über 2.500 Einheiten.
Der Jahresauftakt 2026 fiel kaum besser aus. Mit 664 Traktoren von Januar bis April steht der Zähler zwar 21 Stück höher als im Vorjahr, doch der Abstand zu früheren Jahrgängen ist deutlich: Im gleichen Zeitraum 2024 waren es 915 Traktoren, 2023 immerhin 834. Der April 2026 war mit 181 Zulassungen sogar der schwächste April seit mindestens 2006, nach 206 ein Jahr zuvor, berichtete das Fachblatt Nieuwe Oogst. Ein Plus von 21 Maschinen ist also keine Trendwende, sondern Stabilisierung auf dem Boden.
Fendt bleibt vorn, Claas holt auf
An der Spitze der Markenwertung ändert sich wenig. Im ersten Halbjahr 2026 zählte Fendt in den Niederlanden 281 Traktoren ab 50 PS, dicht gefolgt von New Holland (278) und John Deere (245) auf Rang drei, wie aus den Fedecom-Zahlen hervorgeht. Darunter ist durchaus Bewegung:
- Claas kam auf 80 Zulassungen gegenüber 48 im ersten Halbjahr 2025 – der deutlichste Zugewinn.
- Deutz-Fahr steigerte sich von 137 auf 150 Einheiten.
- Massey Ferguson gab von 97 auf 88 nach.
- Kubota halbierte sich von 16 auf 8 Traktoren.
Im Gesamtjahr 2025 schloss Fendt mit 494 neuen Traktoren und gut 22 Prozent Marktanteil ab, vor New Holland (427, gut 19 Prozent) und John Deere (331, 15 Prozent). Auch in Deutschland liegt Fendt vorn: Im April 2026 waren es 773 Maschinen und damit 28,8 Prozent Marktanteil, vor John Deere (453) und Claas (250).
Fast die Hälfte des Marktes ist Gebrauchtimport
Wer nur auf den Neuverkauf schaut, verpasst den größeren Teil der Geschichte. Neben den 2.205 Neuzulassungen wurden in den Niederlanden 2025 zusätzlich 2.014 importierte Traktoren angemeldet. Zusammen kommt der Markt damit auf 4.219 Einheiten – fast die Hälfte davon ist also gebrauchtes Material, das die Grenze überquert. Im Gesamtbild verschiebt sich auch die Rangfolge: Fendt kommt dann auf 1.305 Traktoren und rund 30 Prozent Anteil, vor New Holland (723) und John Deere (617), so die Auswertung der RDW- und Fedecom-Daten.
Genau das ist zu erwarten in einem Markt, in dem die Neupreise kräftig gestiegen sind und Kapital nicht mehr zum Nulltarif zu haben ist: Das Angebot junger Gebrauchter wird faktisch zum Ersatzmarkt. Wer einen zehn Jahre alten Traktor durch eine vier Jahre alte Maschine ersetzt, kauft dieselbe Arbeitsleistung für einen Bruchteil der Investition.
Wo der Restwert gerade wegbricht
Auf dem deutschen Gebrauchtmarkt blieben die Preise im Juli 2026 weitgehend stabil – mit einer auffälligen Ausnahme: Die Baujahre 2010 und 2011 gaben quer durch die Leistungsklassen von 75 bis 200 PS deutlich nach, wie das Fachmagazin AGRARTECHNIK auf Basis von Daten der TechnikBoerse feststellte. Es handelt sich um eine Altersgruppe, die auf fünfzehn Jahre zugeht und bei der größere Instandsetzungen an Getriebe, Abgasnachbehandlung und Elektronik realistisch werden.
Für Verkäufer heißt das vor allem: Abwarten kostet in diesem Segment bares Geld. Für Käufer ist es umgekehrt der interessanteste Teil des Marktes, sofern die Wartungshistorie stimmt. Wer wissen will, wo eine bestimmte Maschine derzeit steht, kann den aktuellen Marktwert über unsere Wertermittlung prüfen oder die Modellseiten nach Marke und Typ durchgehen. Für die gängige Fendt-Klasse haben wir das zuvor in einer Analyse zum 724 Vario aufgeschlüsselt.
Biddinghuizen wird zum Gradmesser
Die nächste echte Temperaturmessung steht kurz bevor. Von Mittwoch, 16., bis Samstag, 19. September 2026 richtet Fedecom Fairs die Messen AgroTechniek Holland und GroenTechniek Holland auf dem Walibi-Veranstaltungsgelände in Biddinghuizen aus. Zum Start der Akquise waren bereits über 70 Prozent der Messeflächen vergeben – ein Hinweis darauf, dass der Handel selbst keineswegs stillsteht, auch wenn die Zulassungsstatistik hinterherhinkt.
Die Frage, die Händler in diesem Monat umtreibt, lautet, ob seit dem vergangenen Herbst aufgeschobene Aufträge nun doch unterschrieben werden oder eine weitere Saison liegen bleiben. Nach den Zahlen bis einschließlich Juli ist vorerst das zweite Szenario das wahrscheinlichere: Die Talsohle scheint erreicht, von einer Aufwärtsbewegung ist aber noch nichts zu sehen.