Der deutsche Traktormarkt hat sich im Sommer 2026 auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Im Juni wurden 2.278 neue Schlepper zugelassen, im Juli waren es 2.277. Zwei nahezu identische Monatswerte, die zeigen: Von einer Erholung ist nichts zu sehen, von einem weiteren Absturz aber auch nicht. Die Zahlen stammen aus der Monatsstatistik des VDMA Landtechnik.
Ein Jahr ohne Schwung
Der Verlauf des Jahres liest sich unspektakulär, und genau das ist die Nachricht. Im März kamen 2.944 Traktoren auf die Strasse, im April 2.681. Das waren zwar 0,9 Prozent mehr als im April 2025, gegenüber dem Vormonat aber ein Minus von 8,9 Prozent. Der Mai fiel mit 1.997 Zulassungen um vierzehn Prozent unter den Vorjahresmonat, bevor Juni und Juli sich bei rund 2.280 Maschinen einpendelten.
Aussagekräftiger als einzelne Monate ist der rollierende Jahrestrend. Den beziffert agrarheute in seiner Auswertung der Aprilzahlen auf minus 4,6 Prozent über die vergangenen zwölf Monate. Ein einzelner Monat mit einem Plus von 0,9 Prozent dreht diese Linie nicht. Zur Einordnung: 2025 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt insgesamt 25.742 Traktoren erstmals, deutlich unter dem langjährigen Richtwert von etwa 30.000 Einheiten pro Jahr.
Massey Ferguson überrascht auf Rang vier
Bei den Marktanteilen bleibt die Spitze stabil, dahinter kommt Bewegung ins Feld. Fendt kam im April auf 773 Zulassungen und 28,8 Prozent Marktanteil, gab damit gegenüber März aber 1,4 Prozentpunkte ab. John Deere folgte mit 453 Maschinen und 16,9 Prozent, Claas mit 250 Einheiten. Bemerkenswert war Massey Ferguson: Mit 138 Traktoren kletterte die Marke auf Rang vier, eine Platzierung, die sie seit Jahren nicht erreicht hatte. Deutz-Fahr und Kubota mussten dagegen Federn lassen.
Blick über die Grenze: Niederlande auf Tiefstand
Wie tief der Einbruch europaweit reicht, zeigt der niederländische Markt besonders deutlich. Dort wurden 2025 nach Angaben des Branchenverbands Fedecom nur 2.188 Traktoren verkauft, 13,6 Prozent weniger als 2024 und der niedrigste Wert seit 2009. Marktführer war Fendt mit 494 registrierten Maschinen über 45 Kilowatt, gefolgt von New Holland mit 427.
Das laufende Jahr bringt dort keine Wende. Von Januar bis April wurden 664 Traktoren abgesetzt, 21 mehr als im Vorjahreszeitraum, aber weniger als in den Jahren davor: 915 waren es 2024, 834 im Jahr 2023 und 686 im Jahr 2022. Der April allein fiel mit 181 verkauften Maschinen gegenüber 206 im Vorjahr sogar auf den schwächsten Wert seit mindestens 2006, wie Nieuwe Oogst im Juni berichtete.
Die Hersteller haben den Boden eingepreist
Dass es sich nicht um eine Momentaufnahme handelt, belegen die Bilanzen. John Deere schloss das Geschäftsjahr 2025/26 mit einem Nettogewinn von 5,027 Milliarden Dollar ab, 29 Prozent weniger als im Vorjahr, bei einem Umsatz von 45,68 Milliarden Dollar und damit zwölf Prozent Rückgang. Bei CNH Industrial brach der Quartalsgewinn von 310 auf 67 Millionen Dollar ein, ein Minus von 78 Prozent, während der Umsatz nur um fünf Prozent nachgab. Verantwortlich sind der Abbau von Lagerbeständen und Einfuhrzölle auf Stahl, die die Herstellkosten neuer Maschinen nach oben treiben.
Deere-Chef John May erwartet, dass 2026 den Tiefpunkt des sogenannten large ag cycle markiert. Für Nordamerika rechnet der Konzern mit einem Rückgang von fünfzehn bis zwanzig Prozent bei grossen Schleppern, für Europa dagegen mit einem stabilen Markt. Diese Zweiteilung erklärt, warum die europäischen Zahlen schwach ausfallen, aber nicht einbrechen.
Gebrauchtmarkt: stabil, mit zwei Ausreissern
Für Maschinenbesitzer ist die Gebrauchtpreisentwicklung relevanter als die Neuzulassungsstatistik. Und dort ist es bemerkenswert ruhig. In der monatlichen Auswertung für Juli 2026, die auf Angebotsdaten von TechnikBoerse beruht, bewegten sich die meisten Segmente kaum. Eine Ausnahme stach hervor: Die Baujahre 2010 und 2011 gaben über die gesamte Spanne von 75 bis 200 PS im Preis nach, wie Agrartechnik meldet.
Der Befund hat einen technischen Kern. Maschinen dieses Alters nähern sich der Schwelle, ab der grössere Posten an Getriebe, Vorderachse und Abgasnachbehandlung anfallen. Zugleich sind es die ersten Jahrgänge mit umfangreicher Elektronik, was Reparaturen teurer macht als bei der Generation davor. Wer einen einfachen, robusten Zweitschlepper sucht, greift deshalb häufiger zu älteren, mechanisch überschaubaren Modellen.
Der übrige Gebrauchtmarkt profitiert von der schwachen Neumaschinennachfrage. Jeder Traktor, der nicht ersetzt wird, taucht auch nicht als Inzahlungnahme im Angebot auf. Das hält den Bestand knapp und die Preise stabil, obwohl unter dem Strich weniger investiert wird.
Was das für den Restwert bedeutet
Aus den Zahlen dieses Jahres lassen sich drei praktische Schlüsse ziehen:
- Schwache Neuzulassungen stützen kurzfristig den Restwert vorhandener Maschinen, weil weniger Inzahlungnahmen auf den Markt kommen.
- Die Baujahre um 2010 verdienen bei der Bewertung besondere Aufmerksamkeit: Hier laufen Buchwert und Marktwert am schnellsten auseinander.
- Verschiebungen bei den Marken, etwa der Vorstoss von Massey Ferguson, wirken sich erst in fünf bis sieben Jahren auf das Gebrauchtangebot aus. Die heutigen Preise spiegeln noch den Verkaufsmix der Jahre 2018 bis 2021.
Wer wissen will, wo eine konkrete Maschine steht, sollte sich nicht auf Faustregeln verlassen, sondern auf aktuelle Angebots- und Transaktionsdaten nach Typ und Baujahr. Auf der Bewertungsseite von Traktorpreis lässt sich nach Marke, Modell, Baujahr und Betriebsstunden ablesen, welche Spanne derzeit realistisch ist. Einen Einstieg in die gängigen Modelle und ihre Wertentwicklung bietet die Modellübersicht.
Die Augustzahlen veröffentlicht der VDMA in der zweiten Septemberhälfte. Bleibt die Kurve dann erneut bei rund 2.300 Zulassungen, ist der von John May beschriebene Boden weniger ein Tal als ein Plateau. Händler werden ihre Margen dann vorerst aus Werkstatt und Gebrauchthandel holen müssen.